architectural tuesday | Jürg Conzett

Am Dienstag, den 17. November begrüßten wir im Rahmen unserer architectural tuesday Reihe „Positionen Schweizer Architektur“ den Schweizer Tragwerksplaner Jürg Conzett. In seinem Vortrag sprach er über das Zusammenspiel technischer und architektonischer Aspekte beim Entwerfen von Brücken und Gebäuden, über den Umgang mit Bestehendem und darüber, welche Einflüsse seine Arbeiten prägen.

architectural tuesday am 17.11.2015: Jürg ConzettJürg Conzett ist bekannt geworden durch seine Brückenentwürfe in der Schweiz

Prof. Carola Wiese begrüßte den Ingenieur und erläuterte dessen Lebenslauf, angefangen vom Studium an der ETH, über die Zusammenarbeit mit Peter Zumthor bis hin zu seinen jüngsten Erfolgen. Jürg Conzett, ein Ingenieur aus Leidenschaft, wurde bekannt durch den Traversinersteg.

Conzett erklärte anhand von Projekten seines Büros Conzett Bronzini und Partner AG seine Haltung zur Baukunst. Dabei spielt besonders der Umgang mit dem Bestand eine große Rolle.

architectural tuesday am 17.11.2015: Jürg Conzett

Bei einer Brücke in Lanznach von 1908 gingen die Ingenieure vor wie ein Zahnarzt: lediglich die faulen Stellen wurden entfernt und durch neuen Beton ersetzt. Damit erzielten sie ein fleckiges Bild der Brücke, in dem die Reparaturen eindeutig zu erkennen sind.

architectural tuesday am 17.11.2015: Jürg Conzett

Doch nicht nur Brücken gehören ins Repertoire des Büros. Das Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen zeigt eine klare Formensprache auf, dessen Erscheinung von der Konstruktion bestimmt wird. Mit vorgefertigten Betonstützen die über zwei Geschosse gehen, entwarfen die Ingenieure einen strengen Kubus, der die fünf Abteilungen des Gerichts mithilfe der Konstruktion nach außen sichtbar werden lässt. „Als Obsession der Stützen“ bezeichnet Conzett das BBZ Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg. Die raumbestimmenden dicken Stützen aus Holz stehen ohne Ausnahme im Raster, auch da wo sie im Grundriss störend wirken- eine Folge der Konsequenz.

architectural tuesday am 17.11.2015: Jürg ConzettDie Obsession der Stützen

Conzetts Zitat „Konsequenz entsteht aus einer konzeptionellen Idee. Eine konzeptionelle Idee ist umso besser, je mehr Probleme sie löst.“ verdeutlichte er an einem Diagramm und erklärte, dass er, wie auch Zumthor, anhand von Bildern arbeitet. Nicht das schrittweise lösen von Problemen führe zum Ziel sondern die Bündelung der Fragestellung zu einem Bild hin, bestimme seine Arbeit.

Nächste Woche begrüßen wir die Architektin Anna Jessen von jessenvollenweider beim architectural tuesday „Positionen Schweizer Architekten“ an der Architekturfakultät.

 

Fotos: Heike Fischer
Text: Lynn Kunze